Ich bin glücklich Generation Y zu sein

Neulich habe ich versehentlich den Bus erwischt, der morgens die Schüler zur Schule chauffiert.  Es war Montagmorgen nach den Herbstferien und noch während ich an der Bushaltestelle auf dem Bus gewartet habe, fiel mir ein, dass der Bus wahrscheinlich voller müder Schüler  sein wird. Vielleicht werden sie mürrisch aussehen, weil die Ferien wieder mal viel zu kurz waren oder sie freuen sich, ihre Freunde wieder zu sehen. Oder vielleicht werden sie begeistert von ihren Ferien berichten. Fehlanzeige! Der Bus war voller Kinder mit hängenden Köpfen, die ihre Augen auf die leuchtende Display ihres Smartphones richten und die Beleuchtung ihres Smartphones auf ihrem Gesicht erschien. Sie waren so sehr auf das Display konzentriert. Es war so still im Bus. Es gab keine lustige Erlebnisse aus ihren Ferien zu hören. Ein kleiner Junge stand direkt vor mir, den Kopf gesenkt, seine Augen auf sein Display gerichtet und seine Daumen huschen schnell, um einige Kreationen auf seinem Display zu treffen. Er hielt sich nicht fest. Jedesmal wenn der Bus kurz anhalten musste, um weitere Fahrgäste einsteigen zu lassen, stolperte der Junge, ließ sich davon aber nicht beirren und richtete seine ganze Aufmerksamkeit wieder dem Display. So ging es der ganzen Fahrt und er stolperte immer wieder, weil er keine freie Hand hatte um sich festhalten zu können. An der anderen Seite saßen vier Jugendliche in einer Gruppe. Einer davon war in einem Spiel auf seinem Smartphone konzentriert. Sein Sitznachbar verfolgte das Spiel ebenfalls sehr konzentriert, während die zwei Jugendliche, die ihnen gegenüber saßen, ihre Hälse so verrenkten, damit sie das Spiel des ersten Jugendlichen auf seinem Display nicht verpassten. Das merkwürdige dabei war: alle vier sagten während der ganzen Fahrt kein einziges Wort. Es herrschte eine ungewöhnliche Stille.

Nun wurde das Jugendwort des Jahres gewählt: „Smombie“ – eine schweraussprechliche Kombination aus „Smartphone“ und „Zombie“. Beim Aussprechenn könnte man sich glatt die Zunge abbeißen. Es soll die Personen darstellen, die durchgehend an ihrem Smartphone beschäftigt sind und dabei ihre Umgebung nicht mehr wahrnehmen.  Ich höre das Wort zum ersten Mal und kann damit noch gar nichts anfangen.

Ich-bin-glücklich-Generation-Y-zu-sein

Ich bin glücklich Generation Y zu sein. Wir hatten eine andere Teenagerzeit. Die Busfahrten aus meiner Schulzeiten waren laut und Gespräche flogen über zwei Reihen hin und her. Wir erzählten uns von unseren letzten Abend, welche Bücher wir vor bis tief in die Nacht gelesen haben. wie wir unsere Ferien verbracht haben, von unseren Wochenend-Plänen und über die anstehende Schularbeiten. Nur die wenigsten hatten ein Handy. Damals gab es noch die mit der ausstehender Antenne. Die Handys wurden nicht mal aus dem Schulrucksack ausgepackt und diente eigentlich dem Zweck einen Treffpunkt am Nachmittag auszumachen, wenn man nicht mit dem selbem Bus nach Hause fuhr.

Eure Natalie

4 thoughts on “Ich bin glücklich Generation Y zu sein

  1. Hallo liebe Natalie,

    ein schöner Post, der leider gar nicht schöne Tatsachen anspricht. Heutzutage dominieren die Smartphones unser leben. Schon in der Grundschule haben viele Kinder das neuste iPhone. Spätestens in der 5. Klasse wird es schwierig, einen Schüler ohne Handy zu finden. Bei mir war das damals noch anders. In der Grundschule hatte ich ein Handy, mit dem ich gerade mal zu Hause anrufen konnte. Auf der weiterführenden Schule gab es dann das erste etwas spektakuläre Handy: ein Schiebe-Handy. Aber auch das erst in der 7. oder 8. Klasse. Ganz schlimm finde ich es, wenn man sich mit Freunden trifft und diese nur am Handy hängen. Kann man nicht einfach die Zeit mit der Person genießen, mit der man sich verabredet hat? Kann alles andere nicht ein paar Stunden warten? Nun habe ich Glück und einige Freunde, die ihr Handy tatsächlich zur Seite legen können. Aber ich habe eben auch die andere Sorte im Freundeskreis und komme mir immer ziemlich dumm vor, wenn wir zu zweit verabredet sind und es für die andere Person ganz normal zu sein scheint, wenn sie mal ein paar Minuten einfach nicht ansprechbar ist, da sie von ihrem Handy eingenommen wird. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich mich freue, Urlaub ohne Internet zu machen. Dann gibt es all das nicht. Nur dich und die andere Person. 🙂

    Liebe Grüße,
    Maj-Britt

    http://www.dailymaybe.de

    1. Liebe Maj-Britt,
      vielen Dank für deinen wunderschönen Kommentar. Mein allererstes Handy war noch ganz old-school mit einer Antenne, das ich gebraucht geschenkt bekommen habe. Das liegt mit Sicherheit noch auf dem Dachboden meiner Eltern. Ich kenne diese Sorte Menschen auch in meinem Freundeskreis, denen das Smartphone nicht wegzudenken ist. Irgendwie kann ich diese nicht mehr richtig ernst nehmen, wenn man diese so selten sieht und sie dann beim Wiedersehen dauerhaft in ihrem Smartphone tippen. Ein wenig Angst habe ich, dass Smartphone das Leben bestimmen könnten und die Menschen Panikattacken bekommen, wenn sie ihr Smartphone daheim vergessen oder nicht mehr finden können. Tatsächlich habe ich diese Art von Smartphone-Süchtige in meinem Freundeskreis. Aber ich bin glücklich, dass meine engste Freunde ihr Smartphone beim Treffen weglegen und diesen wieder erst rausholen, wenn der Gesprächspartner kurz auf die Toilette geht 🙂 Ich bin froh, dass es noch Menschen gibt, die keinen großen Wert auf das Smartphone legen und sich Zeit für Freunde und das Leben außerhalb des elektronischen Kasten genießen. 🙂
      Schöne Grüße
      Natalie

  2. Toller Beitrag und ich kann dir nur zustimmen. Auch bei uns damals im Bus ging es zu wie im Bienenschwarm. Es wurde geredet, gelacht, voneinander abgeschrieben^^ und Handy? Hatte damals auch bei uns fast keiner – war auch irgendwie viel schöner :-/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.