Lustige Bahngeschichten

Ich fahre so oft mit Bus und Bahn. Dabei habe ich viel Zeit zum Nachdenken, Menschen beobachten oder zum Lesen. Manchmal entstehen direkt vor meiner Nase lustige Geschichten und manche machen mich echt traurig. Einige der Geschichten erzähle ich euch heute.

Lustige Bahngeschichten

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Die Prügelknaben

Auf der Heimfahrt nach einem Kerwabesuch wurde ich Augenzeuge einer Prügelei. Bei einer stark angetrunkener Person war eine abfällige Bemerkung der Grund eines Ausrastes und eine Prügelei spielte aus dem Nichts plötzlich hinter mir ab. Weil ich zur falschen Zeit am falschen Ort saß und der angetrunkener Angreifer sein Ziel verfehlte, bekam ich einen heftigen Schlag auf dem Hinterkopf. In solchen Momenten ist man sich einfach nicht sicher, ob man froh sein sollte, dass man nicht ernsthaft verletzt worden sei oder man sei geschockt, dass man von der Prügelei getroffen wurde. Die Stelle am Kopf tat auch noch weitere zwei Tage weh.

Der verlassene Hase

An einem sonnigen Wochentag saßen, mich eingeschlossen, fünf Personen in einem Zugabteil. In der hinteren Reihe besetzte eine junge Frau im geschätzten Alter von 20 Jahren zwei Sitze für sich und ihren Hasen, der in einer Box leise flippte. Der Regional Express stand an einem Gleis und ich wartete im Zug auf die Abfahrt. Drei Minuten vor der offiziellen Abfahrt stand die junge Frau auf, ging zur Tür, öffnete diese und steuere direkt zum Automaten am Gleis, der Süßigkeiten und ein paar Getränke im Angebot stehen hatte. Mit dem Blick zum Gleis fragte ich mich, ob sie wisse, dass der Zug in wenigen Minuten losfahren wird. Von meinem Sitzplatz konnte ich die Situation betrachten. Die Frau schaute sich in Ruhe das Angebot an, warf ihre Münzen in den Schlitz am Automaten und tippe die Nummer zum gewünschten Snack ein, bückte sich um die Süßigkeiten aus dem Fach zu holen und schlenderte gemütlich wieder zur Zugtür zurück. Als sie den Knopf zur Automatischen Türöffnung drückte, passierte erstmal nix. Also drückte sie nochmal ganz fest. Und ganz plötzlich setzt der Zug einen Ruck und begann sich langsam in die Fahrtrichtung zu bewegen. Der Zug fuhr gerade lost. Das realisierte auch die junge Frau und drückte weiter hektisch auf den Türöffner. Panisch schaute sich in den Wagen zu ihren Hasen rein und ihre Angst stand deutlich ins Gesicht geschrieben. Inzwischen hat die Frau gemerkt, dass ihr Hase nun ohne sie weiterfahren wird. In dem Moment schaute sich mich durch das Zugfenster an und formte ihre Lippen zum gewünschten Zielbahnhof. Das war mein Zielort. Die anderen drei Passagiere haben diese Situation ebenfalls verfolgt und fingen gerade an, darüber zu reden, was man nun unternehmen könnte. Zwanzig Minuten nach der Abfahrt kam der Schaffner suchend in den Zugabteil und wir haben ihr darauf angesprochen, dass hier ein Hase alleine unterwegs war. Da fing der Schaffner an zu lachen und erwähnte, dass er diesen Hasen gesucht hatte. Die junge Frau ist am Bahnhof sofort zum Service Point gerannt und bat dort den zuständigen Zugschaffner zu informieren, damit er den Hasenkäfig und ihre Tasche aus dem Zug bringt und ihrer Mutter übergibt. Am Zielort wartete ihre Mutter bereits lachend am Gleis und nahm den Hasen und die Tasche in Empfang. Ende gut alles gut. Ich bin mir sicher, dass diese Geschichte bei der jungen Frau  und ihrer Mutter noch eine lustige Anekdote blieb.

Der Sitzplatzklauer

In Stadtbussen gibt es etwas breitere Sitzplätze, auf denen sich zwei kleine Schulkinder oder ein Erwachsener mit einer Handtasche oder Rucksack sitzen kann. Diese Sitzplätze sind nicht so schmal wie die Einzelsitzplätze. An einem Morgen auf dem Weg zu Arbeit saß eine Frau mittleres Alter auf dem besagten Platz mit der Handtasche auf ihrer Knie. Bei der nächsten Haltestelle stieg ein Mann mit leichten Übergewicht in den Bus ein und freute sich über den kleinen freien Stückchen Sitzplatz, den er neben der Frau entdeckt hat.  Die freie Fläche betrug circa 20 cm x 30 cm. Ja, das ist die Größe eines DIN A4 Blatts. Also  setze sich der Mann neben der Frau und fing an, sich auf dem Platz sichtlich wohl zu fühlen, indem er genüsslich mit den Hintern wackelte und die Frau tatsächlich mehr und mehr die Fensterscheibe quetschte, bis die Frau so sehr zwischen dem Mann und Fenster gequetscht war, dass sie kaum noch aufstehen konnte. Letztes Ende entschied sie aufzustehen und den Sitzplatz dem Sitzplatzklauer zu überlassen. Dieser grinste so selbstzufrieden hinein, dass ich ihn einfach abstoßend und unverschämt fand.

Vergessener Aktenkoffer

An einem sehr frühen Morgen stieg ein Mann im Buisnessanzug in den Zug und nahm sich einen Sitzplatz ein. Beim Losfahren des Zuges blickte er nach draußen und sah seinen vergessenen Aktenkoffer am Gleis stehen. Ich hätte zu gerne erfahren, wie die Story ausgegangen ist.

Offener Koffer

Ebenfalls an einem sehr frühen Herbstmorgen las ein Mann um die 50 Jahre sitzend seine Zeitung am Gleise. Er war adrett gekleidet. Mit Cordblazer und Jeans machte er einen seriösen Eindruck. Allerdings sah man anhand seiner Körperhaltung ihm an, dass er eine sehr hohe Meinung von sich hat. Wenn Personen mit lauten Koffer an ihm vorbeiliefen, hob er seine Augenbrauen und verdrehte genervt die Augen. Als eine ältere Oma ihn freundlich fragte, ob der Zug an ihrem genannten Wunschbahnhof hielt, antwortete er ziemlich barsch und wies sie darauf hin, dass es doch an der Abfahrtliste steht. Nun fuhr der Zug am Gleis an. Der Mann blieb auf seinem Sitz so lange sitzen, bis der Zum zum Stehen kam. Anschließend griff er hektisch nach seinem Koffer und wollte zur Tür eilen. Just in diesem Moment ging sein Koffer auf und der ganze Inhalt samt Hemden, Schlüpper und Socken verteilte sich am Gleis. Der Albtraum aller Reisende! Panisch und blitzschnell stopfte der Mann seinen Kofferinhalt wieder in den Koffer, verschloss ihn und erreichte gerade noch rechtzeitig den Zug. In solchen Fällen denke ich mir „Karma regelt das schon.“ 🙂

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Meine Geschichte

Natürlich sind mir auch einige lustige Geschichte passiert. Eine Geschichte davon erinnert mich daran, als ich am Umsteigebahnhof zum falschen Gleis ging und ohne auf die Anzeigetafel zu schauen in den falschen Zug einstieg, der mich exakt zum Startbahnhof brachte. So war ich doppelt so lange „auf dem Heimweg“ unterwegs und habe mir daraus die Angewohnheit beigebracht IMMER auf die Anzeigetafel zu schauen bevor ich in den Zug einsteige. Fehler sind dafür da, um aus ihnen zu lernen.

Welche lustige oder außergewöhnliche Geschichten habt ihr am Bahnhof, im Zug oder Bus persönlich erlebt oder gesehen?

Liebste Grüße

Eure Natalie

Fotos: Alexander Schwarz, epicsoft

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